Haus mit Solardach, Symbolbild Stromgestehungskosten

Was kostet eine Kilowattstunde Strom aus der eigenen Photovoltaikanlage eigentlich wirklich? Beim Kauf einer PV-Anlage fällt der Blick meist zuerst auf den Anschaffungspreis. Für die langfristige Wirtschaftlichkeit ist aber eine andere Frage mindestens genauso wichtig: Wie viel Strom produziert die Anlage über viele Jahre für das investierte Geld?

Genau hier helfen die Stromgestehungskosten. Sie machen verschiedene Anlagengrößen besser vergleichbar und zeigen, welche durchschnittlichen Kosten je erzeugter Kilowattstunde Solarstrom entstehen. Wir erklären Ihnen, wie die Berechnung funktioniert, welche Faktoren wichtig sind und warum eine größere Photovoltaikanlage wirtschaftlich interessant sein kann.

Was sind Stromgestehungskosten bei Photovoltaik?

Die Stromgestehungskosten zeigen, wie viel eine selbst erzeugte Kilowattstunde Solarstrom im Durchschnitt kostet.

Dafür werden die Kosten einer Photovoltaikanlage über einen bestimmten Zeitraum der insgesamt erzeugten Strommenge gegenübergestellt. In einer vereinfachten Betrachtung gehören dazu insbesondere:

  • Anschaffungskosten der Photovoltaikanlage
  • Kosten des Batteriespeichers
  • laufende Betriebs- und Versicherungskosten
  • erwartete jährliche Stromproduktion
  • betrachtete Betriebsdauer

Vereinfacht lautet die Rechnung:

Stromgestehungskosten = Gesamtkosten ÷ gesamte erzeugte Strommenge

Damit wird nicht nur betrachtet, was die Anlage heute kostet, sondern was Sie für Ihr Geld über viele Jahre an Solarstrom erhalten.

Was kostet Solarstrom aus einer 10-kWp-Photovoltaikanlage?

In unserer Beispielrechnung entstehen bei einer Photovoltaikanlage mit 10 kWp und einem 9-kWh-Batteriespeicher Stromgestehungskosten von rund 12,44 Cent pro Kilowattstunde.

Für die Modellrechnung setzen wir folgende Werte an:

PositionAnnahme
Photovoltaikleistung10 kWp
Batteriespeicher9 kWh
Anschaffungskosten20.000 €
Laufende Kosten120 € pro Jahr
Betrachtungszeitraum20 Jahre
Stromproduktion9.000 kWh pro Jahr

Wie viel Solarstrom erzeugt die Anlage in 20 Jahren?

Bei durchschnittlich 9.000 kWh Stromproduktion pro Jahr entstehen innerhalb von 20 Jahren:

9.000 kWh × 20 Jahre = 180.000 kWh

Für die Berechnung gehen wir also von insgesamt 180.000 kWh erzeugtem Solarstrom aus.

Welche Gesamtkosten werden berücksichtigt?

Zu den Anschaffungskosten kommen in unserem Beispiel laufende Kosten von 120 Euro pro Jahr hinzu.

Über 20 Jahre sind das:

120 € × 20 Jahre = 2.400 €

Zusammen mit den Anschaffungskosten ergeben sich damit Gesamtkosten von:

20.000 € + 2.400 € = 22.400 €

Teilt man diese 22.400 Euro durch die erzeugten 180.000 kWh, ergeben sich durchschnittliche Stromgestehungskosten von rund 12,44 Cent pro kWh.

Was kostet Solarstrom aus einer 16-kWp-Photovoltaikanlage?

Bei einer größeren Photovoltaikanlage mit 16 kWp und einem 12-kWh-Batteriespeicher sinken die Stromgestehungskosten in unserer Beispielrechnung auf rund 10,07 Cent pro Kilowattstunde.

Die Annahmen:

PositionAnnahme
Photovoltaikleistung16 kWp
Batteriespeicher12 kWh
Anschaffungskosten26.000 €
Laufende Kosten150 € pro Jahr
Betrachtungszeitraum20 Jahre
Stromproduktion14.400 kWh pro Jahr

Über 20 Jahre erzeugt die Anlage bei diesen Annahmen:

14.400 kWh × 20 Jahre = 288.000 kWh

Die laufenden Kosten liegen über diesen Zeitraum bei:

150 € × 20 Jahre = 3.000 €

Damit ergeben sich Gesamtkosten von 29.000 Euro. Geteilt durch 288.000 kWh Stromproduktion entstehen Stromgestehungskosten von rund 10,07 Cent pro kWh.

Warum kann eine größere Photovoltaikanlage günstigeren Strom erzeugen?

Größere Photovoltaikanlagen können von Skaleneffekten profitieren, weil viele Kosten nicht proportional mit jedem zusätzlichen Solarmodul steigen.

In unseren beiden Beispielen steigen die Anschaffungskosten von 20.000 auf 26.000 Euro – also um 30 Prozent. Gleichzeitig steigt die erzeugte Strommenge über 20 Jahre von 180.000 auf 288.000 kWh und damit um 60 Prozent.

Die Stromgestehungskosten sinken dadurch im Modell von 12,44 auf 10,07 Cent pro kWh – rund 19 Prozent.

Der Grund: Bei einer PV-Anlage entstehen Kosten beispielsweise für Planung, Gerüst, Anfahrt, Elektroinstallation, Wechselrichtertechnik, Anmeldung und weitere Installationsarbeiten. Bei einer größeren Anlage verteilen sich solche Kosten auf mehr installierte Leistung und eine höhere Stromproduktion.

Ist ausreichend geeignete Dachfläche vorhanden, kann es deshalb sinnvoll sein, die verfügbare Fläche bei der Planung gut auszunutzen.

Sollte ich meine Photovoltaikanlage nur nach meinem heutigen Stromverbrauch planen?

Nicht unbedingt. Entscheidend ist auch, wie sich Ihr Stromverbrauch in den kommenden Jahren entwickeln könnte.

Eine Photovoltaikanlage kann 30 Jahre und länger Strom produzieren. Während dieser Zeit kann sich der Energiebedarf eines Gebäudes deutlich verändern.

Zusätzlicher Stromverbrauch kann beispielsweise entstehen durch:

  • eine Wärmepumpe
  • ein Elektroauto
  • eine Klimaanlage
  • weitere elektrisch betriebene Anwendungen im Haushalt

Eine Anlage ausschließlich am heutigen Verbrauch auszurichten, muss deshalb langfristig nicht die wirtschaftlich beste Lösung sein.

Lohnt es sich, das Dach möglichst gut mit Photovoltaik auszunutzen?

Eine größere Photovoltaikanlage kann wirtschaftlich sinnvoll sein, wenn Dach und technische Voraussetzungen dafür geeignet sind.

Denn mehr installierte Leistung bedeutet eine höhere Stromproduktion, während Investitions- und Betriebskosten nicht zwingend im gleichen Verhältnis steigen.

Das lässt sich trotzdem nicht pauschal entscheiden. Für die konkrete Planung spielen unter anderem folgende Faktoren eine Rolle:

  • Dachausrichtung
  • Dachneigung
  • Verschattung
  • verfügbare Dachfläche
  • Netzanschluss
  • Investitionsbudget
  • technische Rahmenbedingungen

Deshalb sollte die passende Anlagengröße immer individuell für das jeweilige Gebäude betrachtet werden.

Welche Faktoren beeinflussen die Stromgestehungskosten einer PV-Anlage?

Die Stromgestehungskosten hängen vor allem von den Kosten der Anlage und der langfristig erzeugten Strommenge ab.

Wichtig sind insbesondere:

Anschaffungspreis: Niedrigere Investitionskosten können die Stromgestehungskosten reduzieren.

Anlagengröße: Größere Anlagen profitieren häufig von niedrigeren spezifischen Kosten.

Solarertrag: Dachausrichtung, Dachneigung, Standort und Verschattung beeinflussen die Stromproduktion.

Lebensdauer: Je länger die Anlage zuverlässig Strom erzeugt, desto besser kann die langfristige wirtschaftliche Bilanz ausfallen.

Degradation: Die Leistung der Solarmodule nimmt im Laufe der Zeit langsam ab.

Betriebskosten: Versicherungen, Wartung und weitere laufende Kosten gehören ebenfalls in eine realistische Betrachtung.

Reparaturen und Ersatzinvestitionen: Über mehrere Jahrzehnte können einzelne technische Komponenten ausgetauscht werden müssen.

Finanzierung: Bei einer Finanzierung über einen Kredit sollten auch die Finanzierungskosten in eine individuelle Wirtschaftlichkeitsrechnung einbezogen werden.

Sind Stromgestehungskosten und Strompreis dasselbe?

Nein. Stromgestehungskosten und Strompreis beschreiben zwei unterschiedliche Dinge.

Die Stromgestehungskosten zeigen, was die Erzeugung einer Kilowattstunde Solarstrom rechnerisch kostet.

Der Strompreis beschreibt dagegen den Preis, den Sie für Strom aus dem öffentlichen Netz bezahlen.

Die Stromgestehungskosten helfen damit vor allem dabei, den langfristigen wirtschaftlichen Wert der eigenen Stromproduktion einzuschätzen. Solarstrom, den Sie direkt selbst nutzen oder über einen Batteriespeicher später verwenden können, reduziert grundsätzlich die Strommenge, die Sie aus dem Netz beziehen müssen.

Warum sorgen eigene Stromgestehungskosten für mehr Planbarkeit?

Ein wesentlicher Teil der Kosten für den Solarstrom der kommenden Jahre wird bereits mit dem Kauf und der Installation der Photovoltaikanlage festgelegt.

Bei ausschließlich aus dem öffentlichen Netz bezogenem Strom hängt der Preis dagegen von der zukünftigen Entwicklung der Strompreise ab.

Steigt der Netzstrompreis später, werden dadurch die Erzeugungskosten einer bereits installierten Photovoltaikanlage nicht automatisch höher. Genau das schafft langfristige Planbarkeit.

Welche Rolle spielt ein Batteriespeicher bei den Stromgestehungskosten?

Ein Batteriespeicher erzeugt selbst keinen Strom. Er hilft dabei, mehr des bereits erzeugten Solarstroms zu einem späteren Zeitpunkt im eigenen Haushalt zu nutzen.

Photovoltaikanlagen produzieren vor allem tagsüber Strom. Der Verbrauch eines Haushalts verteilt sich dagegen über den gesamten Tag und ist häufig auch morgens oder abends hoch.

Ein Speicher kann überschüssigen Solarstrom aufnehmen und später wieder zur Verfügung stellen.

Wie groß er sinnvollerweise sein sollte, hängt unter anderem ab von:

  • Größe der Photovoltaikanlage
  • jährlichem Stromverbrauch
  • Verbrauchsverteilung über den Tag
  • vorhandener oder geplanter Wärmepumpe
  • Elektroauto
  • gewünschtem Autarkiegrad
  • zukünftiger Entwicklung des Stromverbrauchs

Warum lohnt sich der Blick auf die Stromgestehungskosten?

Die Stromgestehungskosten zeigen besser als der reine Kaufpreis, was Sie langfristig für Ihr investiertes Geld erhalten.

Eine Photovoltaikanlage verursacht einen großen Teil ihrer Kosten zu Beginn und produziert anschließend über viele Jahre Strom. Deshalb ist für die wirtschaftliche Bewertung nicht nur wichtig, wie viel die Anlage kostet, sondern vor allem, wie viel Energie sie während ihrer Betriebsdauer erzeugt.

Unsere Modellrechnungen zeigen dabei einen wichtigen Zusammenhang: Eine größere Anlage kann trotz höherer Investition niedrigere Stromgestehungskosten erreichen, weil sie deutlich mehr Solarstrom produziert.

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